GKV-Reform 2027: Was Zahnarzt- und KFO-Praxen jetzt wissen sollten

23.07.2026

 

GKV-Reform 2027: Was Zahnarzt- und KFO-Praxen jetzt wissen sollten

Der Deutsche Bundestag hat das am 10.07.2026 GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Ziel des Gesetzes ist es, die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren und den weiteren Anstieg der Zusatzbeiträge zu begrenzen. Für Zahnarztpraxen bedeutet die Gesetzesänderung: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich erneut. Die Vergütungsentwicklung, Budgetfragen, steigende Praxiskosten und eine verlässliche Liquiditätsplanung rücken noch stärker in den Fokus. Die Kieferorthopädie erhält hingegen mehr Planungssicherheit als zunächst befürchtet.

Für Zahnarztpraxen verkleinert sich der Spielraum in der Vergütungsentwicklung

Ein zentraler Ansatz des Gesetzes ist es, die Ausgabenentwicklung in der GKV stärker an die Einnahmenentwicklung zu koppeln. Das bedeutet: Künftige Vergütungssteigerungen sollen stärker begrenzt werden. Praxen werden dies wirtschaftlich spüren. Insbesondere dann, wenn gleichzeitig Personal-, Material-, Energie- und Laborkosten weiter steigen. Die Herausforderung besteht damit weniger in einer einzelnen gesetzlichen Änderung, sondern in der zunehmenden Notwendigkeit, die eigene Praxis wirtschaftlich noch aktiver zu steuern.

Wichtiger werden insbesondere:

  • ein transparenter Überblick über Umsatz- und Kostenstrukturen
  • eine realistische Planung von Investitionen
  • ein professionelles Forderungs- und Liquiditätsmanagement
  • eine konsequente Abrechnungs- und Prozessqualität

Prävention und PAR-Leistungen bleiben im Fokus

Besonders kritisch diskutiert werden weiterhin mögliche Auswirkungen auf präventionsorientierte Versorgungskonzepte, darunter auch die Parodontitistherapie.

Medizinisch notwendige Leistungen müssen nicht nur fachlich sauber geplant, sondern auch wirtschaftlich nachvollziehbar, vollständig dokumentiert und abrechnungssicher umgesetzt werden.

Gerade in diesem Bereich werden Praxisorganisation, Dokumentationsqualität und Liquiditätssteuerung zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Kieferorthopädie: Bestandsschutz und Übergangsregelungen schaffen Entlastung

Im Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens wurde intensiv diskutiert, kieferorthopädische Leistungen künftig stärker an eine Fachzahnarztqualifikation zu binden. Für viele Praxen mit kieferorthopädischem Tätigkeitsschwerpunkt hätte dies erhebliche Auswirkungen gehabt. Diese ursprünglich befürchtete harte Einschränkung ist in dieser Form jedoch nicht gekommen.

Mit dem beschlossenen Gesetz wurden wichtige Bestandsschutz- und Übergangsregelungen geschaffen:

  • Bestandsschutz für bereits erworbene Master-of-Science-Abschlüsse (MSc) Kieferorthopädie
  • Bestandsschutz für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die eine entsprechende Ausbildung bereits begonnen haben
  • Vierjährige Übergangsfrist für bereits kieferorthopädisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte
  • Möglichkeit der Anerkennung weiterer gleichwertiger Qualifikationen und praktischer Erfahrungen

Damit bleibt die Versorgung für zahlreiche bestehende KFO-Praxen und kieferorthopädisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte grundsätzlich erhalten.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Übergangsphase aktiv zu nutzen: Qualifikationen, Tätigkeitsnachweise, Abrechnungsprozesse und Praxisstrategie sollten frühzeitig geprüft und sauber dokumentiert werden.

Zusätzlich sieht das Gesetz eine Neuordnung der kieferorthopädischen BEMA-Leistungen vor. Die konkreten Auswirkungen auf Abrechnung, Vergütung und Versorgungsstrukturen werden sich daher erst in den kommenden Jahren vollständig zeigen.

Was Sie jetzt tun sollten

Die Reform ist kein Anlass für hektische Einzelmaßnahmen. Sie ist aber ein guter Zeitpunkt, die wirtschaftliche Aufstellung der eigenen Praxis strukturiert zu überprüfen.

  1. Umsatzstruktur transparent machen

    Praxen sollten analysieren, wie sich ihr Umsatz zusammensetzt: Welche Anteile entfallen auf GKV-Leistungen, KFO-Behandlungen, PAR-Leistungen, Zahnersatz, private Leistungen, außervertragliche Leistungen und Eigenanteile?

    Diese Transparenz hilft, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu erkennen und gezielt zu steuern.

  2. Liquidität vorausschauend planen

    Gerade bei längeren Behandlungsverläufen, KFO-Abschlägen, Eigenanteilen, Teilzahlungen oder größeren Investitionen ist eine belastbare Liquiditätsplanung entscheidend.

    Praxen sollten Zahlungseingänge, offene Forderungen, Ratenzahlungsmodelle und geplante Ausgaben regelmäßig im Blick behalten.

  3. Abrechnungsqualität weiter professionalisieren

    Eine saubere, vollständige und nachvollziehbare Abrechnung wird weiter an Bedeutung gewinnen. Das gilt insbesondere an den Schnittstellen zwischen BEMA, GOZ, außervertraglichen Leistungen und privaten Zusatzleistungen.

    Wichtig sind insbesondere:

    - klare Dokumentation
    - nachvollziehbare Begründungen
    - vollständige Leistungsabrechnung
    - rechtzeitige wirtschaftliche Aufklärung
    - verständliche Kommunikation gegenüber Patientinnen und Patienten

  4. KFO-Bestand aktiv prüfen

    KFO-Praxen und kieferorthopädisch tätige Zahnarztpraxen sollten prüfen, welche Qualifikationen vorliegen, ob ein Master of Science Kieferorthopädie bereits erworben oder begonnen wurde und welche Behandler bereits kieferorthopädisch tätig sind.

    Ziel ist es, die Übergangsphase nicht nur formal zu überbrücken, sondern die eigene Praxis strategisch und dokumentarisch sauber aufzustellen.

  5. Investitionen bewusst priorisieren

    Investitionen in Personal, Digitalisierung, Ausstattung oder Praxiserweiterung sollten nicht grundsätzlich verschoben werden. Sie sollten aber stärker betriebswirtschaftlich bewertet werden:

    - Verbessert die Investition Prozesse?
    - Entlastet sie das Team?
    - Stabilisiert sie die Liquidität?
    - Erhöht sie die Abrechnungsqualität?

Die Health AG begleitet Zahnarzt- und KFO-Praxen dabei, betriebswirtschaftliche Stabilität, administrative Entlastung und eine professionelle Patientenkommunikation miteinander zu verbinden.

Durch den Forderungsankauf erhalten Praxen schneller Zugriff auf Honorare und können ihre Liquidität unabhängiger von Zahlungszielen, Patientenzahlungen oder Erstattungsprozessen planen. Das unterstützt insbesondere bei laufenden Kosten, Personalplanung, Investitionen und längeren Behandlungsverläufen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie sich Unterstützung wünschen:

Tel.: +49 40 524709-909 
E-Mail: abrechnung@healthag.de

Fazit

Die GKV-Reform 2027 bringt für Zahnarztpraxen keine vollständige Entwarnung, aber mehr Klarheit. Besonders in der Kieferorthopädie wurden wichtige Bestandsschutz- und Übergangsregelungen geschaffen. Für viele bestehende KFO-Praxen bedeutet das: Die ursprünglich befürchteten Einschnitte fallen deutlich geringer aus als zunächst diskutiert.

Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck im Gesundheitswesen bestehen. Praxen sollten deshalb jetzt prüfen, wie stabil ihre Umsatzstruktur ist, wie professionell ihre Abrechnungsprozesse aufgestellt sind und wie verlässlich ihre Liquiditätsplanung funktioniert.

Wer seine Praxis wirtschaftlich transparent steuert, private und außervertragliche Leistungen verständlich kommuniziert und Forderungen professionell managt, kann regulatorische Veränderungen besser abfedern. Gerne unterstützen wir Zahnarzt- und KFO-Praxen dabei als Finanzierungspartner mit Lösungen für Factoring, Abrechnung, Patientenservice, Ratenzahlung, Liquiditätssicherung und vieles mehr. Damit Praxen wirtschaftlich stabil bleiben und Sie sich auf das konzentrieren können, was zählt: die bestmögliche Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten.

 

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Kristina Seffer

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